Im Hospiz hat Andrea viele Fans

30.11.2007
, Westdeutsche Zeitung

Krefeld. Ihre Autogrammkarte stellt sie an sein Bett. So hat Horst Hafekost das Foto der hübschen Frau im grasgrünen Spaghetti-Trägerkleid mit den goldenen hochhackigen Sandalen gut im Blick. „Oder ist dann jemand eifersüchtig?“, fragt sie kokett und lacht. „Lachen ist doch dat schönste“, sagt Hafekost und lässt sich dabei freundschaftlich von ihr den Arm tätscheln. Andrea Berg ist sein großer Schwarm. Heute steht der Krefelder Schlagerstar leibhaftig vor ihm.

Seit 1999 engagiert sich die 41-Jährige für die Begleitung sterbender Menschen. Auch Horst Hafekost ist schwerkrank. Seit vier Wochen ist er Gast im Hospiz am Blumenplatz, wo gestern drei Spendertafeln enthüllt wurden. „Dokumente der Hilfsbereitschaft“, nennt sie Karin Meincke, Vorsitzende der Hospiz-Stiftung. Viele Unternehmen, kleine Betriebe, aber auch Handwerker, karitative Vereine und Privatleute haben dazu beigetragen, dass das Haus 2004 eröffnet werden konnte. Insgesamt 3,5 Millionen Euro wurden bis heute gespendet.

Waren es anfangs noch sehr große Beträge, sind es heute eher kleinere – für die Arbeit im Hospiz jedoch ist jeder Cent hilfreich. „Da war es wirklich an der Zeit, den Spendern mit einer Einladung ins Haus zu danken“, sagt Meincke, die stolz durch die renovierte Kapelle und über den frisch gepflasterten, winterfest bepflanzten Innenhof führt. Von der bunten Pracht werden Gäste des Hauses erst mit den Narzissen im Frühjahr etwas haben.
Andrea Berg: „Die Besuche im Hospiz geben mir Bodenhaftung“

An diesen kühlen Wintertagen nutzen diejenigen, die noch die Kraft dazu haben, aber schon die hübsch angelegten Wege. „Es gibt eine kurze und eine längere Runde“, sagt Brigitte Schwarz, Leiterin des Hospizes am Blumenplatz, die die restaurierte alte Gartenmauer mit den eingelassenen Fensterscheiben hervorhebt. „So können Passanten hineinschauen zu uns.“ Viele Menschen hätten große Scheu vor dem Kontakt zu sterbenskranken Menschen.

Kannte Andrea Berg diese Berührungsängste auch? „Nein. Ich habe viele Jahre als Krankenschwester gearbeitet. Der Tod gehört für mich immer zum Leben.“ Die Besuche im Hospiz und die Gespräche mit den Menschen „sind sehr intensiv und geben mir Stabilität und Bodenhaftung. Ich selbst wohne in einer Großfamilie. Aber es gibt so viele einsame Menschen auf der Welt“, sagt Andrea Berg nachdenklich.

„Sie gibt mir Hoffnung und Kraft“, freut sich Hafekost über den Besuch. „Und du duftest wie ein junger Gott“, kontert Berg und zaubert wieder Fröhlichkeit in sein Gesicht. „Wenn du wüsstest, was das ist“, seufzt er. „Mit dem After-Shave habe ich alle Frauen verrückt gemacht. Früher.“ Bevor Traurigkeit zurückkehrt, schafft Berg einen neuen Lichtblick: „Wenn ich nächstes Mal komme, trinken wir einen Jägermeister zusammen.“

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