Lachen im Hospiz

06.02.2009
, Rheinische Post

Prinz Johannes IX. erfreute gestern todkranke Menschen am Blumenplatz.

Es gibt Momente, da muss selbst ein Karnevalsprinz über seinen Schatten springen. Wenn aus dem „Krefeld Helau“ kurzerhand und ausnahmsweise mal ein „Uerdingen Helau“ wird. Doch das kam genau in diesem Moment aus tiefstem Herzen. Und es rührte eine Hospiz-Bewohnerin fast zu Tränen.Die Uerdingrin hatte sich den Besuch des Prinzenpaares so sehr gewünscht, das schon seit 2005 in der närrischen Zeit am Blumenplatz vorbeischaut. Und sie nahm es Johannes IX. auch nicht krumm, dass der ohne seine Martina kam. Denn die liegt derzeit krank im Bett und konnte gestern keinen ihrer Auftritte bestreiten.

„Kein Termin wie jeder andere“ Insgesamt luden drei Gäste – so werden die schwerst- und todkranken Menschen genannt – den Krefelder Prinzen in ihre Zimmer ein, um zumindest für wenige Augenblicke aktiv am Karneval teilzunehmen. „Wir bieten unseren Gästen eine familiäre Wohnsituation. Dazu gehört auch, dass Feste gefeiert werden“, sagt Leiterin Brigitte Schwarz, die allerdings betont, dass sie allen Bewohnern die Teilnahme dazu freigestellt hat. Im Hospiz ist jeder Tag wichtig. Es zählt jeder einzelne Moment, der den Menschen so angenehm wie möglich gestaltet werden soll. Da gehört es auch dazu, dass die närrische Zeit gefeiert wird. Und zwar richtig. Dafür haben vorwiegend die ehrenamtlichen Mitarbeiter die Eingangshalle und auch den Gemeinschaftsraum liebevoll mit Girlanden, Luftballons und Luft-schlangen geschmückt. Schließlich sollten sich nicht nur die Bewohner und Mitarbeiter, sondern auch der Prinz und sein Gefolge wohlfühlen. Auch wenn Johannes IX. zugibt, dass ein Besuch im Hospiz für ihn „kein Termin wie jeder andere ist“. Doch von Berührungsangst war während seines Aufenthaltes nichts zu spüren. Feinfühlig, aber doch charmant versuchte er „Herzlichkeit und gute Laune zu verbreiten. Denn ihren Lebensmut haben die Menschen trotz ihrer Krankheit nicht verloren.“ Und den Humor im Übrigen auch nicht. Die Dame aus Uerdingen freute sich zwar über das schöne Lied, das ihr der Prinz gesungen hatte, merkte dann aber ziemlich schnell an, wie schade es doch ist, „dass ihr meinen Stadtteil im Text vergessen habt“. Aber dennoch: „Ich werde euren Besuch so lange ich lebe nicht vergessen.“ Nach solch einem Kompliment hatten dann einige der Karnevalisten mit den Tränen zu kämpfen. Was zeigt, dass auch Prinzen und ihr Gefolge nur Menschen sind. Und dass auch ihnen nicht in jeder Situation zum Lachen zumute ist.

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