Ein Tag, der die Schmerzen verdrängte

Einmal am Lenkrad eines „Ami-Trucks“ à la „Convoy“ sitzen: Diesen Wunsch des Hospiz-Gastes Gabriele Hoffmann (Mitte; rosa Tuch) erfüllte das Team des Hospizes mit der Firma SKS World auf dem Firmengelände bei Montabaur.
Dieser Tag hat Hospiz-Gast Gabriele Hoffmann kurzzeitig alle Schmerzen ihrer schweren Krebs-Erkrankung verdrängen lassen: In einer Gemeinschaftsleistung vieler ist es dem Team im Hospiz am Blumenplatz gelungen, ihr noch ihren dritten Lebenswunsch zu erfüllen – einmal am Lenkrad eines typisch amerikanischen Trucks à la „Convoy“ zu sitzen und die Hupe betätigen zu dürfen.
Schon in ihrer Schulzeit – als ein Lehrer über seine Lebenswünsche gesprochen hatte – habe sie selbst drei Lebenswünsche entwickelt, schildert Gabriele Hoffmann: Bereits erfüllt sind die Wünsche, einmal die Kettenbrücke in Budapest beleuchtet bei Nacht zu sehen und einmal in einem Taxi nach Paris zu fahren – lange vor dem NDW-Hit von Felix de luxe. Der Film „Convoy“ erzähle davon, dass man „fast alles schaffen könne, wenn man zusammenhält“, schildert Gabriele Hoffmann ihre Gedanken zu ihrem dritten Wunsch: „Ich bin der Rubber Duck und habe in der Krankheit jetzt meinen eigenen Konvoi – meinen Mann, die Familie und unsere Freunde, die Ärzte und ihre Teams und jetzt hier im Hospiz diese wunderbaren, herzlichen Menschen wie beispielsweise Brigitte Fuß, die mir heute so kompetent und freundlich zur Seite steht“.
Die weitere Geschichte: Von ihrem Lebenswunsch hatte Alexander Henes (Gesamtleiter Hospiz) erfahren und dann viele Dinge in Bewegung gesetzt: Er erzählte Christian Pasch, der sich auch immer wieder im Hospiz engagiert, von dem Wunsch des Gastes. Der wiederum wusste aus seiner beruflichen Tätigkeit, dass die Firma SKS World – unter anderem Exklusiv-Spediteur Europe für Harley-Davidson USA© – auf ihrem Firmengelände bei Montabaur einen solchen „AMI-Truck“ aus dem Film „The Ice Road“ (2021) stehen hat. Dieser ist mittlerweile umlackiert, trägt aber auch noch die Kratzspuren der Spikes aus seiner Hollywood-Zeit auf den Trittstufen. Pasch gelang es, über „drei Ecken“ einen Kontakt zum Firmenchef Kevin Kießling herzustellen und dieser wiederum war sofort bereit, zu helfen. Letztlich fuhren Hospiz-Leiter Henes und Pflegerin Brigitte Fuß mit Gabriele Hoffmann und ihrem Mann Rüdiger zu einem Besuch nach Mogendorf. Dort hatte die SKS-World Firmenleitung eine tolle Überraschung vorbereitet: Der Mechaniker Thorsten Götsch wollte mit der Besucherin eine Runde fahren. Gabriele Hoffmann gelang es trotz ihrer Schmerzen und Beeinträchtigungen durch die Krankheit, in das Fahrerhaus zu klettern und konnte die Fahrt richtig genießen. „Mich fasziniert die Kraft des 19 Meter langen Lkw mit 510 PS. Die Zugmaschine ist mehr als doppelt so hoch, im Vergleich zu meiner Größe. Auch der Fahrer war so froh, dass er mir meinen Wunsch erfüllen konnte“, fasst sie die Erfahrungen zusammen. Als besonderes Geschenk gab es noch ein Miniatur-Modell des Trucks für die Besucherin. Auch für Kevin Kießling war der Tag besonders, denn er kennt sich etwas in der Hospiz-Thematik aus: „Es gibt einem etwas, wenn man einen solchen Herzenswunsch erfüllen kann“, meint er.
Nach rund zwei Stunden Aufenthalt machte sich der kleine „Konvoi Hoffmann“ wieder zurück auf den Weg nach Krefeld – aber dann wurde es anstrengend: Als Adrenalin und Glücksgefühle langsam abebbten, kehrten die Schmerzen der Erkrankung voll zurück – und Gabriele Hoffmann spürte jedes Schlagloch auf der Straße. Trotzdem war jeder Moment des Tages hervorragend schön, betont die Schwerkranke: „Alle haben so gut für meinen Mann und mich gesorgt – das fängt an bei Iwona Banczyk aus der Hauswirtschaft, die uns liebevoll Verpflegung für den Tag vorbereitet hat. Toll war auch die Überraschung, die am Ende des Tages noch auf mich wartete: Das Team hat mir eine silberne Rubber Duck-Kühlerfigur geschenkt!“
„Es ist Teil unserer Haltung im Hospiz, dass wir unseren Gästen möglichst noch ihre Herzenswünsche zu erfüllen. Solche Dinge finanzieren wir über die Spenden, die wir aus der Bürgerschaft und von Unternehmen erhalten“, so Henes. Ebenso sei es immer wieder berührend, wie hilfsbereit und ideenreich Menschen seien, wenn sie zu einem bestimmten Anliegen angesprochen werden, „selbst, wenn sie bisher eigentlich noch nicht so mit dem Thema Hospiz vertraut waren.“ Dem stimme Gabriele Hoffmann zu: „Ich möchte mich herzlich bei dem Hospizleiter Alexander Henes und der Geschäftsleitung der SKS GmbH in Mogendorf bedanken!“

